Ökosoziale Marktwirtschaft 1.0

Prof. Dr. Franz Joseph Radermacher über den  „Superorganismus Mensch“ und die Möglichkeiten, die ihm noch bleiben, um eine Welt in Balance zu schaffen. Zeit nehmen, ansehen. Das ist eines der wichtigen Videos auf youtube. Ich lasse das auf dieser Seite stehen, bis ich einen aktuelleren Beitrag von Prof. Radermacher finde.

Einlesen
Wer das Video oben gesehen hat, fragt sich vielleicht, warum so logische, so sinnvolle und so wichtige Maßnahmen, wie Radermacher sie einfordert, nicht schon längst Realität sind.

Welt mit Zukunft
Welt mit Zukunft

Meine Theorie: Es wissen einfach noch viel zu wenige Menschen über den die Initiative für einen Global Marshall Plan (GMPI) und das Konzept der Ökosozialen Marktwirtschaft Bescheid. Mein Urteil ist sehr subjektiv, aber in meinem Wahrnehmungshorizont fand das Thema bis vor Kurzem einfach nicht statt. Dabei habe ich nun, ach! Philosphie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! Durchaus studiert… Na – so schlimm hab ich es nun doch nicht getrieben, aber ein Wochenmagazin mit vielen Hintergrundberichten habe ich schon abonniert und die News verfolge ich jeden Tag…  aber keine Spur dort von dem, was in dem Buch „Welt mit Zukunft“ – auch von Prof. Radermacher – beschrieben wird.

Visionär
Der Geschäftsführer eines Kundenunternehmens  engagiert sich mit viel Überzeugung für einen verantwortungsvollen Umgang mit Umwelt und Gesellschaft. Dieser Chef hat meinem Chef vor nicht allzu langer Zeit „Welt mit Zukunft“ geschenkt. Ich habe mir das Buch dann auch geholt und war fasziniert. Im Angesicht der drohenden Klimakatastrophe, von rücksichtslos handelnden Unternehmen, der Überbevölkerung, Wasserknappheit (bzw. Zugangsungerechtigkeit), Armut, Hunger, Krieg etc. hat da auf einmal einer eine – auf den ersten Blick (wie gesagt – ich bin erst dabei, mich einzuarbeiten) – Lösung parat. Beschreibt, wie man mit Abgaben, die niemandem weh tun und Maßnahmen, die äußerst sinnvoll klingen, den Moloch Mensch, der inzwischen mehr verschlingt, als der Planet hergeben kann, doch noch auf einen Weg bringen kann, der zu  einer menschenwürdigen Zukunft für alle führt.

Menschenwürdige Zukunft?
Wie so eine menschenwürdige Zukunft aussehen soll, ist in den Milleniumzielen der UN beschrieben. Die Kurzfassung: Im September 2000 haben sich 150 Staats- und Regierungschefs vorgenommen, bis 2015:

  1. den Anteil der Weltbevölkerung, der unter extremer Armut und Hunger leidet, halbieren
  2. allen Kindern eine Grundschulausbildung ermöglichen
  3. die Gleichstellung der Geschlechter und die politische, wirtschaftliche und soziale Beteiligung von Frauen fördern, besonders im Bereich der Ausbildung
  4. die Kindersterblichkeit verringern
  5. die Gesundheit der Mütter verbessern
  6. HIV/AIDS, Malaria und andere übertragbare Krankheiten bekämpfen
  7. den Schutz der Umwelt verbessern
  8. eine weltweite Entwicklungspartnerschaft aufbauen

Die ausführliche Zielformulierung findet Ihr hier [PDF]. Erreicht ist glaub ich noch nix davon (Update: es gibt einen Fortschrittsbericht, den werde ich mir mal genau ansehen und berichten). Aber wir haben ja noch Zeit…  Ich finde, diese Ziele sagen nicht deutlich genug aus, um was es hier eigentlich geht: Wir haben laut Radermacher – derzeit noch – die Wahl zwischen einer „Brasilianisierung“ der Gesellschaften (80% haben nichts, die andern 20% haben alles und müssen sich hinter dicken Mauern vor den anstürmenden Armeen der Armen verschanzen), einem totalen Kollaps (Klima, Kriege, alles kaputt) oder aber einer fairen, ausgeglichenen Welt, in der die bisherigen Gewinner Vorteile aufgeben und die andern dabei unterstützen, aufzuholen. Das Erstaunliche für mich in den Ausführungen, die ich bislang gelesen habe: Das muss gar nicht schlimm ausgehen für uns (Reiche). Wir können weiterhin Urlaub machen und Auto fahren und konsumieren etc. Nur eben mit eingeschaltetem Gehirn.

Mißtrauen behindert Fortschritt
So wie ich das verstanden habe, wird das zentrale Hindernis für die Umsetzung der geforderten Maßnahmen zur Mittelgewinnung (u. a. Abgaben auf Finanztransaktionen, Welthandelsabgabe „Terra Tax“ – also Dinge, von denen der Einzele so gut wie nichts spüren würde), wie auch in so vielen anderen Nachhaltigkeits- und Umweltschutzzielen (CO2-Ausstoßsenkung), gerne und oft mit dem Gefangenendilemma begründet. D. h. Politiker wissen, dass eine Entscheidung für „das Gute“ durchaus Sinn machen würde. Nur, wenn man sie zuerst trifft, und kein anders Land mitzieht, schafft man durch die Entscheidung Nachteile für sein Land. Wenn keiner weiß, was der andere vor hat, und keiner dem anderen traut, dann kann niemand anfangen, das Sinnvolle zu tun. Schön blöd.

Weitersagen!
Politiker mißtrauen einander. Kein Wunder, Nationalstaaten waren so lange Gegenspieler und sind es vielfach heute noch.

GMPI - PDF
GMPI – PDF

Staatenübergreifende Konstrukte wie die EU, mit einer vergleichbaren Integrationstiefe, gibt es… sonst noch gar nicht? Die Denke vieler Politiker endet oft genug noch an den eigenen Landesgrenzen. Nur, wenn es gelingt, einer breiten internationale Öffentlichkeit das Konzept der GMPI bzw. den Gesellschaftsentwurf einer Ökosozialen Marktwirtschaft klar zu machen und sie dazu zu bringen, dessen Verfolgung von deren Politikern einzufordern, kann das Gefangenendilemma überwunden werden. Was für eine Aufgabe.

Genau richtig für uns, oder?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s