Von Musikern und Kaffeetrinkern

Die Politik tut sich schwer im Nahen Osten. Seien es Israel und die Palästinenser oder Israel, Iran und der Rest der Welt – ein friedliches Zusammenleben steht (hoffentlich) als Ziel für alle fest, doch über den Weg dorthin herrscht wenig Einigkeit. Hoffnung machen Menschen, die die Sache einfach selbst in die Hand nehmen. Zwei solche Menschen haben mich in letzter Zeit besonders beeindruckt.

West-Eastern Divan Orchestra, 10.7.2012, Philharmonie München

West-Eastern Divan Orchestra, 10.7.2012, Philharmonie München

Der Musiker
Daniel Barenboim ist Pianist und Dirigent und weltberühmt. Zum Nahost-Konflikt hat er eine ganz eigene Meinung: „[…] es ist eben kein Konflikt, den man politisch oder gar militärisch lösen könnte, es ist ein menschlicher Konflikt, in dem zwei Völker zutiefst davon überzeugt sind, Anrecht zu haben auf dasselbe Stück Land. Wir brauchen kein Nahost-Quartett aus Uno, Russen, Europäern und Amerikanern. Wir brauchen einen Psychiater.“ (Der Spiegel, 25/12, hier online)

Ein bisschen spielt Barenboim den Psychiater selbst, oder den Heiler, der vorlebt, dass Versöhnung zumindest im Kleinen auch schon heute möglich ist. 1999 gründete er zusammen mit dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said ein Orchester, in dem israelische und arabische Musiker gemeinsam auftreten. Das West-Eastern Divan Orchestra soll laut Programmheft „den Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen […] durch die Erfahrungen des gemeinsamen Musizierens […] ermöglichen.“

WÖD - Wikimedia Foto HPHaack

Das Orchester ist benannt nach einem Gedichtband von Goethe. Kostprobe: „Wer sich selbst und andere kennt, / Wird auch hier erkennen: / Orient und Okzident / Sind nicht mehr zu trennen.“ Quelle: Wikipedia. Bild: CC-Lizenz, Wikimedia, H.-P.Haack

Das macht doch Spaß, oder? Wenn die Politik nicht vorankommt, bringt man die Menschen einfach mal selber zusammen. Ich weiß, ganz so einfach ist das leider nicht und den Konflikt bekommen wir so auch nicht gelöst, aber einen kleinen Schritt weiter bringen uns solche Initiativen schon. Nochmal aus dem Programmheft: „Der einzige politische Aspekt […] ist die Überzeugung, dass es keine militärische des Nahostkonfliktes geben kann und dass die Schicksale von Israelis und Palästinensern untrennbar miteinander verbunden sind“. Unterstützen kann man die Idee hier: www.daniel-barenboim-stiftung.org.

Der Kaffeetrinker

Der Kaffeetrinker heißt Ronny Edry und ist Grafikdesigner in Israel. Ronny macht sich Sorgen wegen der doch durchaus bedrohlichen Beziehungen seines Landes zum Iran. Sein Anliegen, seine „message by the people to the peope“, erzählt er in dem Video selbst. Hier auch nochmal die Botschaft, die er auf all seinen sozialen Kanälen gepostet hat:

“To the Iranian people, to all the fathers, mothers, children, brothers and sisters / For there to be a war between us, first we must be afraid of each other, we must hate. / I’m not afraid of you, I don’t hate you. / I don t even know you. No Iranian ever did me no harm. I never even met an Iranian…Just one in Paris in a museum. Nice dude. /I see sometime here, on the TV, an Iranian. He is talking about war. / I’m sure he does not represent all the people of Iran. / If you see someone on your TV talking about bombing you …be sure he does not represent all of us. / I’m not an official representative of my country. but I know the streets of my town, I talk with my neighbors, my familys, my friends and in the name of all these people …we love you. / We mean you no harm. /On the contrary, we want to meet, have some coffee and talk about sports.”

Ronnys Aufruf hat sich schnell verbreitet (Die Zeit, der Stern und viele andere haben schon über die Aktion berichtet). Und die Iraner schreiben zurück. Und es gab schon einige Treffen, bei denen Kaffee getrunken und über Sport gesprochen wurde. Finde ich großartig. Hiermit wollte ich meinen kleinen Beitrag leisten, die Geschichte weiterzuverbreiten. Denn Ronnys Idee kann man eigentlich nur mögen, oder? Wer meiner Meinung ist, hier entlang: https://www.facebook.com/israellovesiran. Ach ja, Deutschland liebt den Iran übrigens auch: https://www.facebook.com/GermanyLovesIran.

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2 Antworten zu “Von Musikern und Kaffeetrinkern

  1. großartig! bin natürlich gleich beigetreten. Danke, Florian, für diese Info!

  2. Danke! Das freut mich! Bin gespannt, wie es bei denen weitergeht…

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