Giftgas für Deutschland

Vergangene Woche hat mich die Meldung „Gabriel plant Fracking unter Auflagen“ bei Spiegel Online ziemlich schockiert. Gift in den Boden pumpen für 10 Jahre Gas? Ja, ja, „Auflagen“ und bla, bla „Prüfungen“. Gift bleibt Gift (was für eines ist übrigens Betriebsgeheimnis, wers verrät, wird eingesperrt). Wir fluten die Ozeane mit Öl und Plastik, produzieren Müll, der hunderttausende von Jahren strahlt, verpesten die Luft. Und jetzt das?

© Trueffelpix, fotolia.com

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Wer kann Fracking nun noch verhindern? Die Umweltministerin! (Doch, wir haben eine, wirklich.) Sie heißt Barbara Hendricks und wirft sich mit Verve in den Kampf gegen Fracking! Gabriel dürfte nach diesem Interview vor lauter Angst immer noch zitternd unter seinem Bettchen kauern…

Spaß beiseite, das Thema ist traurig genug. Darum habe ich Herrn Gabriel auch eine E-Mail geschrieben (über seine wahrscheinlich persönliche E-Mail-Adresse kontakt@bmwi.bund.de). Die will ich hier nochmal posten. Wenn Ihr unterschreiben wollt, gerne.

Lieber Herr Gabriel,

Sie wollen wirklich aus Geldgier für 10 Jahre mittels Gift Gas aus dem Boden holen? Das Gas ist nach 10 Jahren weg, das Gift bleibt. Wie kann man so kurzfristig denken, so unverantwortlich? Sie waren doch mal Umweltminister? Sie waren gegen Kernernergie. Und jetzt wollen Sie eine ähnliche Umweltsünde begehen? Fossile Brennstoffe (nix Energiewende, das ist das Gegenteil!) fördern und die Umwelt weiter vergiften?

Sogar der Exxon-Chef ist gegen Fracking – solange das auf seinem Gund und Boden passieren soll (schlagen Sie es nach) – aber wir sind wirklich so blöd und machen diesen Irrsinn mit? Setzen Sie sich lieber mit Ihrer ganzen Energie für Erneuerbare Energien ein, für SUEDlink (das wird schwer genug).

Außerdem: Denken Sie, die Bürger lassen das zu? Sie werden Demonstrationen  sehen, die sie seit den Anti-Atom-Demos nicht mehr gesehen haben, versprochen. Ist es das wirklich wert? Wenn Ihre Antwort immer noch Ja ist, dann lassen Sie uns in Goslar beginnen. Unter Ihrem Haus. Dann Fracken wir dort zuerst, und Sie wohnen dort und wir schauen, ob Ihnen das wirklich gut tun.

Ich habe bisher immer die SPD gewählt, weil mir das Thema Soziale Gerechtigkeit am Herzen liegt. Wenn Sie das hier durchziehen, dann war es das mit uns, versprochen.

Viele Grüße

Florian Hohenauer

Zur Einordnung: Den Brief habe ich spontan geschrieben, bestimmt sind Argumente angreifbar. Ich bin kein Journalist. Ich kann mich nicht professionell in Themen einarbeiten. Hier gibt es Meinungen. Ich sehe die Kommunikation rund um das Thema in den Medien und lese dann noch ein bisschen mehr, um sicher zu gehen, nicht völligen Schrott zu schreiben.

Bei Fracking ist es unheimlich schwer, eine Aussage einer neutralen, qualifizierten Instanz zu finden, die die Sicherheit oder Unbedenklichkeit dieser Technologie bestätigt. Und das, obwohl schon seit so vielen Jahren gefrackt wird. Das lässt für mich den Rückschluss zu, dass Fracking gefährlich ist.

Ein WiWo-Beitrag von @smatthes versucht beispielsweise, die Gefahren zu erklären, und auch etwas zu relativieren. Auszüge:

„Vertreter der Gasindustrie beharren darauf, dass Fracking nicht gefährlicher sei als die herkömmliche Erdgasförderung. Nach 20 000 Fracks in den USA habe es nur knapp 40 Beschwerden wegen verschmutzten Grundwassers gegeben.“

Ernsthaft? Das ist ein Argument? Weil man das Gift nicht sieht ist es auch nicht da? Bürger haben Spaten, die kommen nicht so weit runter und können nachsehen. Trotzdem gab es 40 Beschwerden.

„Dennoch gelangte in den USA Fracking-Gift immer wieder ins Grundwasser. Wie konnte das passieren? Experten vermuten, dass die Chemie aus undichten Auffangbecken oder Förderrohren gesickert ist. Möglicherweise drang die Flüssigkeit aber auch durch die nur 500 Meter dicke poröse Gesteinsschicht nach oben, die an manchen Orten zwischen Grundwasser und Gasfeld liegt.“

„Experten vermuten“. Immer wieder wird erklärt, dass die Grundwasser-Schichten und die Gas-Schichten so weit auseinander liegen, dass es völlig unmöglich sei, dass jemals Gift uns Wasser gelangen könnte. Und dann passiert das doch und die haben keien Ahnung warum?

“Solange sich die Unternehmen an die Sicherheitsregeln halten, sind Fracking und Umweltschutz vereinbar”, urteilt Stefan Ladage von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.

Im Beitrag behauptet diese Anstalt, dass Fracking auch sicher geht. „Wenn sich Unternehmen an Sicherheitsregeln halten“. Deepwater Horizon hat sich bestimmt auch an die Sicherheitsregeln gehalten.

„Um die Risiken zu minimieren, entwickelt die Gasindustrie saubere Fracking-Techniken. Der österreichische Energiekonzern OMV und der US-Multi Halliburton arbeiten an einer Fracking-Flüssigkeit aus Wasser, Quarzsand und Maisstärke. Um die Verträglichkeit zu zeigen, trank Halliburton-Chef Dave Lesar bei einer Konferenz gar einen Schluck des Gebräus.“

Die entwicklen jetzt „saubere Fracking-Techniken“? JETZT? Das ist ein offizielles Eingeständnis, bisher mit „schmutzigem Fracking“ gearbeitet zu haben. Ist dieses Eingeständnis eigentlich justitiabel?

Am Ende des Beitrags will ich aber versöhnlich sein – im WiWo-Artikel stand eine schöne Idee: Wenn Fracking erlaubt wird, dann müssen unangekündigte Kontrollen stattfinden. Die Kontrollen bestehen darin, dass sich sowohl der lokal verantwortliche Politiker, die Management-Riege der Fracking-Firma und Herr Gabriel einen halben Liter frisch gezapfte Fracking-Flüssigkeit vor Kameras zu Gemüte führen. Wenn dann Gas austritt und das das Schlimmste ist, was passiert, bin ich überzeugt.

P.S. Auch im SPON-Beitrag: „In Bayern und anderen Regionen fürchtete die Koalition zudem um die Reinheit des Brauwassers.“ Danke, CSU. Danke, dass Du Dir wirklich Gedanken um unsere Zukunft machst.

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Eine Antwort zu “Giftgas für Deutschland

  1. Dieter Bornheimer

    Florian, du sprichst mir aus der Seele!
    Übrigens kam meine Klasse 8R (bin da Politiklehrer) ohne „Mithilfe“ zum gleichen Ergebnis. Sie haben übrigens auch einen Brief verfasst (der hoffentlich ankommt und gelesen wird).

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